Ausgezeichnete 2017

Folgende Auszeichnungen wurden von der Jury des Sparda-Musiknetzwerkes vergeben:

Kunst- und Musikschule der Stadt Brühl gemeinsam mit dem Marienhospital Brühl
Projekt „Musik ist (macht) gesund“
„Singen ist gesund“ – diese schlichte Behauptung klingt nach einem Alltagsrezept zur Prophylaxe. Tatsächlich steckt viel mehr in diesen drei Worten: Singen kann Prophylaxe sein, Singen kann einen Schritt zur Heilung bedeuten, Singen kann Mittel der Therapie sein und mehr.
Die Kunst- und Musikschule der Stadt Brühl lotet seit 2013 diesen kulturellen, physischen und psychischen Bereich in einer Kooperation mit dem Marienhospital Brühl aus. Seither singen Musikschulpädagogen regelmäßig mit Patienten der Abteilungen für Palliativmedizin, für Onkologie und für Geriatrie. Durch diese Singaktionen ist ein Chor des Krankenhauses entstanden, der probt und auftritt. Und drei weitere Chöre haben sich an der Musikschule gebildet. Seit 2017 gibt es sogar ein Konzertformat speziell für demenzkranke Menschen.
Die Jury des Sparda-Musiknetzwerks würdigt dabei besonders, das dieses Engagement leicht übertragbar auf andere Kommunen ist. Dort, wo es Musikschulen und Krankenhäuser gibt, lassen sich nach Brühler Vorbild Netzwerke knüpfen und Musik und Medizin verbinden.

 

Musikschule der Stadt Hilden, Wohn – und Pflegezentrum „Stadt Hilden Hummelsterstraße“, Freizeitgemeinschaft Behinderte und Nichtbehinderte, Städtisches Helmholtz-Gymnasium, Städtische Kindertagesstätte Mäusenest und diverse Hildener Grundschulen
Projekt “All inclusive – ein Orchester der Vielfalt”
Alle Mitmenschen in Bildungsangebote einzubeziehen, das ist ein weit gestecktes Ziel, vor dem viele Hürden stehen. Inklusion ist schon lang Gegenstand der Gesetzgebung geworden und man sollte meinen, der Weg dorthin sei klar markiert und man müsse nur einer Wegweisung folgen. Doch tatsächlich ist auch im Musikleben vieles nicht inklusiv.
Die Musikschule der Stadt Hilden entwickelt zusammen mit einem dichten Netz von Kooperationspartnern neue Angebotsformen für unterschiedliche und heterogene Zielgruppen. Im Herbst 2016 z.B. konzipierten und erprobten die Partner in sechs Projekten über vier Wochen hinweg eine zielgruppengerechte inklusive Arbeit, vom Trash-Trommeln mit Flüchtlingen über Popbands mit Behinderten bis zum Seniorensingen. Die Projekte blieben nicht für sich, sondern wurden verbunden, teils durch personelle Schnittmengen, teils durch das Repertoire. Muster war die klassische Form des musikalischen Rondos: Ein Musikstück wird durch einen immer wiederkehrenden Rahmenteil gegliedert, den alle Interpreten singen und spielen. Innerhalb des Rahmens erklingen Zwischenstücke mit einem anderen musikalischen Charakter.
Die Jury des Sparda-Musiknetzwerks ist davon überzeugt, dass man im Kulturleben weiterkommt, wenn man das Hildener musikalische Rondo auf das gesellschaftliches Leben überträgt, und daher prämierte sie das Projekt “All inclusice” mit der Sparda-Musiknetzwerk Auszeichnung.

 

Fritz-Busch-Musikschule der Universitätsstadt Siegen gemeinsam mit dem Evangelischen Gymnasium Siegen
Projekt „Brundibár – Eine musikalische Spurensuche zum Holocaust“
Hans Krása hat die Kinderoper Brundibár Ende der 1930er Jahre komponiert, Adolf Hoffmeister die Geschichte geschrieben. Die Geschichte handelt von zwei Kindern ohne Geld, die Milch für ihre Mutter besorgen müssen. Sie sehen, dass der Leierkastenmann Brundibár Münzen bekommt, wenn er seine Kurbel dreht. Sie eifern ihm nach, um Geld zu sammeln, doch er vertreibt sie. Mit Unterstützung von Tieren kommen sie zurück und nun vertreiben sie ihn. Und erspielen so Milch für die Mutter.
Muss man sich mit so grausigen Geschichten wie der über die Kinderoper Brundibár auseinandersetzen? Die Fritz-Busch-Musikschule und das Evangelische Gymnasium in Siegen sagten: Ja. Orchester und Chöre des Gymnasiums, der Kinder- und Jugendchor der Musikschule und Teilnehmer ihres Musiktheaterprojekts haben nicht nur die Kinderoper von Hans Krása einstudiert. Sie haben auch Werke hinzugenommen, die zur Aufführungsgeschichte im Konzentrationslager passen. Die Siegener Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich mit Zeitzeugenberichten, sie fuhren zusammen nach Theresienstadt und sie sahen den NS-Propagandafilm über Theresienstadt, der Brundibár instrumentalisierte. Erst durch die Reflexion des Verbrechens konnten sich die Schülerinnen und Schüler kritisch mit der Frage auseinandersetzen, was Musik in extremen Lebenssituationen und in einer Gewaltherrschaft bedeuten kann.
Die Jury des Sparda-Musiknetzwerks schließt sich der Siegener Antwort auf die Grundfrage, ob man sich damit beschäftigen muss, an und würdigt dieses kritische, kreative und partizipative Projekt mit der Sparda-Musiknetzwerk Auszeichnung.

 

Bergische Musikschule Wuppertal, alpha e.V. Wuppertal und JobCenter Wuppertal
Projekt „WoW – Women of Wuppertal“
Dass Singen Menschen verbindet, weiß man im Allgemeinen. Aber nicht jeder weiß, wie sehr man mit regelmäßigem Singen auch das eigene Auftreten stärkt und wie anders man sich sprechend anderen Menschen mitteilen kann. Wenn es um etwas geht….um einen Job etwa. Die Wuppertaler Gesangspädagogin Hayat Chaoui weiß, was sie bei anderen mit Singen bewirken kann, und zieht deshalb in die Stadtteile: Sie singt mit Frauen mit und ohne Migrationshintergrund.
Ein farbenprächtiger Chor ist so in Wuppertal entstanden. JobCenter, Verein „alpha“ und die Bergische Musikschule führen die Frauen der Stadtgesellschaft zusammen. Die Maßnahme, betitelt „Perspektive für Mütter mit Migrationshintergrund“, zielt auf die sozio-kulturelle Integration der Frauen und auf den Abbau von Schwellenängsten gegenüber potenziellen Arbeitgebern. Gesungen werden Lieder aus den Herkunftsländern der Teilnehmerinnen, deutsche Lieder und auch Popsongs. Die Sängerinnen bringen ihre eigenen Melodien zur Geltung, sie drücken sich gemeinsam aus und sie lernen dabei ein Standing, das ihnen hilft, Bewerbungsgespräche zu bestehen.
Die Jury des Sparda-Musiknetzwerks begrüßt sehr, dass dieses Projekt Musik als qualifizierende Kraft nutzt, und stellt es als nachahmenswertes Modellprojekt heraus.

Alle Auszeichnungen sind mit einer finanziellen Anerkennung von jeweils 2.500 Euro verbunden.